WENN SICH EIN HERZ IN EINEN SCHMETTERLING VERWANDELT

 

( Festival in Roquemaure 2006 )

 

 

 

 

Die „Piccola Compagnia LUCETTE & GIANGILI“:  Geschichten und Musik mit der Drehorgel „Baldo“ und den Grossen Bildern“ versucht immer eine enge Verbindung mit dem Ort und Grund der Darstellung und dem Inhalt ihrer Geschichten, Bilder, Auswahl ihres Musikrepertoire, dass sich von 1250 bis heute erstreckt,  festzusetzen

 

Die Arbeit ist Anspruchsvoll da „Lucette & Giangili“ tatsächliche und Historischdokumentierte Ereignisse erzählen: ein Unternehmen das lange Nachforschungen, Phantasie, Erfindungsgabe, Entwerfung und Konstruktion der Materialen sowie, natürlich auch finanzielle Anlagen, vermutet.

 

Auch für das 8° Festival „Les Manivelles de l’Amour“ (Die Liebeskurbeln)  - Roquemaure (Gard) 11-12 Februar 2006, haben wir den gleichen Entwerfungsplan verfolgt und gelangten zur Realisierung von:

 

„WENN SICH EIN HERZ IN EINEN SCHMETTERLING VERWANDELT“

Mosaik von Geschichten, Musiken, Bilder, Publikumseingriffen

 

Roquemaure, ist eine alte Stadt, selbst schon mit vielen Geschichten beladen, Geschichten, die nur auf Stimmen warten um denen die sie noch nicht kennen, noch einmal erzählt zu werden: die Pilger die in tausend herwandern „um das Fest zu erleben.

 

Das Fest, ist eine alte Tradition und findet am Ende des Winters statt. Mit ihm feiern die Landesleute die Frühlingsgeburt: mit dem, meldet sich eine neue harte Arbeitszeit,  aber gleich auch eine neue Hoffnungszeit für eine gute Weinlese ... alles muss bereit sein, ...  Zeugen sind die trockene Zweige des Winterschnitts ... die jede Landesfamilie, in Tracht gekleidet, Trachten die von Generation zu Generation übergehen, zu Fuß oder auf alten Kaleschen von gut gepflegten Pferden geschleppt, in die Prozession tragen.

 

 

   

 

 

Auch die verehrte Reliquie des Sankt Valentin tragt man in die Prozession, genau wie am 25 Oktober 1886, als man beide zwischen die Verzweifelten und machtlosen Scharen der Leute getragen hat, (als letzte Hoffnung) gegen den „Reblausteufel“ der die Weinreben vernichtete...

„Vale, Valentin, Heil dir, komm um unseren Weinreben und unserem Leben wieder Gesundheit und Stärke zu geben!“  Das Volk flehte den Fürsprecher der Liebe und der Verliebten um eine barmherzige Gnade der Liebe!

 

 

 

 

Also, eine gläubige Stadt, in der auch ein Papst seine letzte Tage lebte ... dort oben im Schloss wo noch zwei Türme und einige Mauern stehen, wo sicher schon di Musik, Balladen und Liebesromanzen der Troubadouren ertönten. Zu jener Zeit, tanzte und spielte auch das Volk auf dem Stadtplatz, genau wie noch heute, gleiche alte Tracht, gleiche Sonorität, gleicher Rhythmus, gleiche rituelle Gesten, alte Überlieferte Erinnerungen, Erzählungen, Nachahmungen. Körper die sich Entgegenkommen und Entfernen, weite Röcke und bestickte Häubchen, Augen die sich kreuzen, Hände die sich kurz berühren...

 

 

   

 

 

Ach ja, .. die Liebe, das Verlangen ... alles Uralt, so wie die Welt ... Adam und Eva, dann, Großvater und Großmutter, Mutter und Vater, und jetzt wir ...: eine Nachfolge von Liebeszeichen die sich in der grauen Vorzeit verlieren und deswegen wir hier sind...! 

Wir arbeiteten um diese schöne Verbindung zwischen Ort, Tradition, Glaube, Musik, Geschmäcke, Farben und Bilder, in unseren Geschichten zu erhalten.

 

 

                        

 

 

Wir erzählen die Geschichte und die Wunder des Sankt Valentins (die von jener Zeit  ... obwohl er auch dieses Jahr ein Wunder gemacht hat ... aber dies erzählen wir dann im nächsten Jahr!), sein dramatischer Kampf gegen die Reblaus; seine überraschende Abenteuer um sie zu besiegen.

Wir erzählen, die Liebeslegende des Straßendichters, voll mit Knalleffekte und die Liebeslieder des Codex Manesse, die berühmte und bedeutsamste Sammlung der deutschen Liederhandschrift des 13° Jahrhunderts. Diese Lieder begleiten wir mit neun Mittelalterlichen Musikstücke, die von Marco Gianotto, für unsere verlässige Orgel „Fournier 35 E“ speziell arrangiert und auf Musikrollen gelöchert wurden.

Wir erzählen auch den Ursprung der „Valentinen“ … Liebesbotschaften alter Zeiten wo noch niemand denken konnte dass in der Zukunft der Himmel mit SMS Botschaften durchfurcht würde.

Dann folgt das bezauberte Abenteuer des Herzmuskels, der, wenn er von Amors Pfeil getroffen wird, sich in einen Schmetterling verwandelt, den niemand mehr beherrschen kann ... kurz und gut, er unterliegt einer Mutation die im das Leben wechselt...aber nicht nur seines!

 

Wir erzählen also Liebesgeschichten!

 

Genau wie von der Liebe die Leo und Leonilda tief verband: ein Kollegenpaar, das am Ende des 18° Jahrhunderts, Goldenzeit der Bänkelsänger, zuerst in Italien, Frankreich und in der Schweiz, Straßenmusiker waren, das sich dann in ein Fotografenpaar verwandelte (er der Blind war!)  und nachher  ...  muss man ihre abenteuerliche Geschichte hören, mit allen Balladen die sie auf den Märkten, Ausstellungen und Volksfeste sangen ... Meisterwerke des klassischen italienischen Volkslieder Repertoire ... Lieder die von Unglücklicher Liebe, Treubruch, unwiderstehliche Leidenschaft, Bräute, Geliebte und Verlobte sprechen ...  wie „Mamma mammina“, „Donna Lombarda“, „La bella Gigogin“, „Meglio sarebbe“, „Rigodon de Charence“, „Balocchi e profumi“...

 

 

   

 

 

Die Festivalorganisation setzte den Teilnehmern das folgende Thema: „Darstellung des Ende 18° Jahrhunderts – Anfang 900“, dies war die historische Periode in der man bleiben musste.

Glänzende Jahre und bleierne Zeit: Elektrizität und Galopp „Veränderung der Lebensart“ und „Tanz im Excelsior“, „Grosse Überseeschiffe und Auswanderung“ ... aber auch „Musikgeschichten“: „Rossini und der Drehorgler von Nizza“, die Arie von der Oper „Die Lustige Witwe“, - deren hundertsten Jahrestag man gerade feiert -, die Befreiung Amsterdams und die große  „Beerorgel“,  „Le bal des Alpins“ und „Président Faure“ ... (Vielen Dank, „Musiques Mécaniques Vivantes) für das sie uns schenken.

 

An das Festival haben wir 30 Geschichten und 35 Musikrollen gebracht.

So wie auch 22 große Bilderplakate, im Maß von 150/100 cm.: buntfarbige Bilder, mit starker visueller Wirkung auf die Zuschauer. Nein, es ist aber nicht eine unbeholfene und persönliche Malerei. Auch die Bilder sind Frucht der Auswählung und Nachforschung, um ausdrucksvolle Bildergeschichten zu produzieren, alle mit reichen Historischen Zitaten begleitet, Bilder die im gleichen auch sehr dekorativ sein müssen.

 

 

                        

 

 

Auf den Spielplatz brachten wir die Aufführung von „San Valentino battezza Santa Lucilla“ (Der Heilige Valentin tauft die Heilige Lucilla“ von Jacopo di Bassano und einige Vergrößerungen von Miniaturen aus dem Codex Manesse. Zu Ehren der französischen Gobelinkunst, präsentierten wir zwei Meisterstücke aus dem XV° Jahrhundert: das erste, „L’offerta del Cuore“ (Liebesangebot), eine Manufakturarbeit aus Arras. Prächtig ist das zitternde Laub, es gleicht dem bebenden Herz der Jungfrau die das Liebesangebot von ihrem Geliebten empfängt; das zweite „La Dama di Rohan all’organo“ (Die Dame von Rohan an der Orgel), ein Gobelin aus der Serie „Die tausend Blümchen“, so genannt weil der ganze dunkler Grund mit Blümchen bedeckt ist. Aus diesen Wandteppichen ragt die Troubadour Szene eines für immer verlorenes irdisches Paradies heraus. Gerade der Klang unserer Orgeln wurde im Unbewussten des Zuschauers dieses Bild beschwören, (so behauptet es kürzlich die Psychologin Lafontaine, in einem Artikel über die „Musiques Mécaniques Vivantes“ – 2006, Veröffentlichung der „Association des Amis des Instruments et de la Musique Mécanique (Verband der Freunde der Instrumente und  Mechanischen Musik).

 

 

 

 

 

Wir haben auch die Photografien von Leonilda ausgestellt. Fotografien die allein die Geschichte der Photografie erzählen, sowie Bilder von Raul Dufy und Honoré Daumier ... Viele Bilder, aber keins wird für sein eigenwert vorgestellt, sonders jedes hat einen engen Zusammenhang mit der Geschichte die wir erzählen, mit dem Musikstück das wir „drehen“, oder mit dem Inhalt der Selbstgeschichte und dem was sie in der Miniaturgeschichten, Grafik oder Kunsthandwerk, darstellt.

 

Aber, es endet noch nicht hier!

Das Gewicht der Liebe im Verkehr zwischen Mann und Frau erhöht den Gefühlsausbruch, Wunschtraum, Sehnsucht und Zweifel. Verlangen, die das Herz und die Nächte der Verliebten rühren so dass sie brennend versuchen einen Blick aufs unergründliche und zukünftige zu werfen, um mehr übers heute und Morgen zu wissen ... darum wenden sie sich an die Chiromanten oder vertrauen der Bezauberung der Auslosung: dies haben wir am „La Fête des Amoureux 2006“  -  „Fest der Verliebten 2006“ präsentiert.

 

Das Publikum wurde eingeladen ein nummeriertes Los aus einem mittelalterlichen Hut zu ziehen. Dann mussten sie den Orakelspruch auf der großen Chiromantentafel prüfen. Das Bild reproduziert ein altes italienisches Flugblatt, mit französischer Übersetzung, ehemals Eigentum des legendären Bänkelsängers, Piazza Marino. (Am Anfang waren 540 Lose im Hut, am Ende des Festivals blieben nur noch 37 Lose übrig. Wenn man denkt das einige mehrere Lose gezogen haben, zählt man immer noch 230 individuelle Kontakte ...: gar nicht schlecht!)

 

 

 

 

 

Als ob es noch nicht genügte...

Präsentierten wir noch das Bild „Il linguaggio dei colori e dei fiori“  (Die Sprache der Farben und der Blumen) mit jeder Art von Herzchen eingerahmt: Eisherzchen, Steinherzchen, geblühte Herzchen, in Käfig gesperrte Herzchen, brennende Herzchen, geklebte Herzchen, begehrende Herzchen... ein großer Blumenstrauch der fröhliche ländliche Liebe beschwört sowie auch einwenig Bruderschaft und Freiheit in den Sinn ruft!

 

Aber es endet noch nicht hier!

Dem Publikum wurde noch eine Herzförmige Schachtel angeboten, die voll mit Zettelchen war. Auf jedem Zettelchen hatten wir ein aphoristisches Liebessprichwort von Dichtern, Schriftsteller, Intellektuelle aus jedem Land und Zeit, gedruckt. Die Liebespaare mussten das Sprichwort lesen und es dann mit einem anderen Paar vertauschen ... die ganz zärtlich Verliebten küssten sich und die Zuschauer schauten mit mäßiger Beneidung zu. Das Paar legte dann das Sprichwort in die Tasche, eine Liebeserinnerung von Roquemaure ... wieder ein kleines Wunder von Valentin. So war’s, wir erzählten eine Geschichte und spielten für die Verliebten ... einige tanzten ... andere spaßten ... andere waren eingeladen unsere Orgel zu „drehen“ ...

 

Es näherte sich auch eine kleine glückliche Familie: Eltern mit zwei Kindern ... der größere „drehte“ mit Spaß, aber der jüngere, der sich an die Hosen des Vater klammerte, wollte nichts davon wissen ... so haben wir die Mutter zum „drehen“ eingeladen,  nachdem auch der jüngere das Lied „Quand  trois poulets vont aux champs“  (Wenn drei Hühner auf die Wiese gehen) „drehte“ ...  der Vater applaudierte und fotografierte alles ... am Abschiednehmen, drehte sich der kleine und  winkte mit seinem Händchen ein „ ciao“, ein kleines „ciao“... diese Familie wird sehr wahrscheinlich allen von Roquemaure erzählen, der Märchen Ort wo alles möglich ist, aber doch nur das schönste!

 

Eine Alte Tradition will dass man dem Publikum rührige Ereignisse vorstellt.

Darum bemüht sich der Artist ihren Augen und Ohren andere Empfindungen als die gewöhnliche  anzubieten.  Hier steht die Herausforderung für den Artisten:  überraschen und bezaubern mit dem ungewohntem, erstaunen  mit der Verschiedenheit. Kurz und gut, man muss nicht immer die gleichen Sachen Vorstellen, ob es Musik, Bühnengestaltung, Kostüme oder Geschichten sind.

 

In Roquemaure, kam vor dass, das Publikum, das gewöhnt war langsam aber unaufhaltsam die Vorstellstrecke zu folgen, von dem Zauber der visuellen Zeichen, von der ungewöhnlichen Musik, von der neuartigen vorgeschlagenen Beziehungs-Unterhaltungsart   von „Lucette & Giangili“ erobert wurde.

Das Publikum blieb ein wenig stehen,  wechselte einige Wörter mit uns und drehte die Kurbel unserer Orgel: ging fort ohne dass es etwas auszugeben hatte aber mit mehr rührigen Erinnerungen ...  Es hat wirklich Sankt Valentin gefeiert!

 

 

 

 

 

Ja ! Ich vergesse noch ...

Das Fest „La fête des amoureux“ ist ein genauer Rückruf der Landesbräuche des 18° Jahrhunderts: darum haben wir auch akzeptiert uns zu verkleiden.

Roquemaure ist für dies gut ausgestellt! Ein richtiges Atelier voll mit altertümlichen Kostümen die denen die nicht versehen sind zur Verfügung stehen. Die Leiterin ist sehr geschickt um Gesichtsfarbe und Kleidungsfarbe, Bäuche und langer Überrock, Kahlheit und Hüte miteinander zu kombinieren ...  die Leute im Spiegelsaal der Tanzschule zu spiegeln ...

Auch wer keine Neigung hat sich zu verkleiden geht dann mit einem lächeln weg.. 

Lucette, benötigte eine ganze Nacht um ihren Rock zu kürzen  ... in ihr habe ich meine Großmutter gesehen, die Schneiderin, die sich im Jahr 1895, ihr Trautkleid selbst nähte und es erst einige Stunden vor der Traufeier gefertigt hatte ... ich habe aber nicht gewagt ihr es zu sagen!

 

Wegen der Besonderheit unserer „Leistung“, die nur einen kleinen Spielplatz benötigt,  wurde uns eine optimale Stelle zugestellt. Ein kleiner Platz, wo das Publikum sich ein wenig anhalten kann, wo man die Erzählung gut hören kann,  wo die Zuschauer auch die Möglichkeit  haben mit den Artisten einzugreifen  und wo man die Bilder gut genießen kann ...

 

Unser Theater war links neben dem Kircheneingang wo di Reliquie von Sankt Valentin bewahrt ist ... ein kleiner Platz, ein Baum, zwei Blumenkasten, eine warme Mauerecke, die unsere Bilder vom unermüdlichen Mistral beschützte ... Dieses Jahr hat Sankt Valentin das Wunder gemacht und in großem Bogen!