DER DREHORGELFABRIKANT

Bilder eines Berufs

 

Fotoausstellung von Denis Lafontaine am Festival in Les Gets 2006

 

von Lucette Lafontaine

 

 

 

 

Diese Bilder entstehen aus der Begegnung zwischen zwei Kunstfreunde: der einte der Orgeln, Christian Fournier, der andere der Fotografie, Denis Lafontaine ...

 

Sie spielten miteinander: der erste, raubte Berufsbilder des Orgelbauers, der zweite, wollte nur einwenig von seine Gesten und Fähigkeit sehen lassen.

Der einte wollte mit seinem Objektiv alle Geheimnisse der Orgel rauben, der andere, wollte vieles Geheim halten.

 

 

                   

 

 

Der Fotograf musste tausend Technische listen erdenken, tausende

Stellungen und Standpunkte finden, Licht, Farben, Weiß, Schwarz,

messen; Aufstehen, liegen, hinter, vorn, über, unter, um seine Bilder

dem gewandtem und verliebten Orgelbauer zu rauben,  der mit seinem

Orgelbauen und wieder erbauen, nur die Luft in Musik verwandeln will.

 

Dieses war das Spiel:

„Ich hab dich genommen!“

„Ja, aber nicht ganz!“

„Ich hab dich gesehen!“

„Ja, aber du hast nicht alles gesehen“.

Aus diesem Spiel sind genaue und geheimnisvolle Bilder hervorgekommen.

 

Hände eines Mechanikers die Maschinen regulieren.

Hände eines Schneiders im Lederschneiden.

Hände eines Kunsttischlers der hobelt.

Hände eines Bildhauers der Holz modelliert.

Hände eines Bastlers der Schlauheiten erfindet.

Mörderhände die amputieren.

Hände eines Verliebten die, die Baustücke liebkosen.

 

Die Gesten des Schöpfers sind sanft, präzis, scharf, schneidig, spitzig.

Die automatischen Figuren lassen sich wie folgsame Kinder behandeln,

die wissen dass sie nur so lebendig werden.

Aus den Händen dieses „Geppetto“ wird kein lügender Pinocchio

herauskommen, sonders nur Edelfräuleinchen und Kavaliere die der

Klang der Orgel zum Leben ruft um das sie sich mit Eleganz

und Rhythmus bewegen.

 

 

                    

 

 

In dieser Atmosphäre von Gesten, Werkzeuge, Materialen, Gerüche und Farben, erfreut sich der Fotograf: die Baustücke, eines nach dem anderen erbaut und verziert, alle zusammengestellt um Schönheit, Musik und Bewegung zu erschaffen.

 

Der Orgelbauer: ein Mann mit tausend Handwerke? Tausendes Wissen und tausend Geheimnisse. Der Fotograf sucht sie aufzustöbern, der Orgelbauer sie zu verstecken.

 

Jetzt müsst ihr die Geheimnisse finden: euch vorstellen wie die Luft, wenn man die Kurbel dreht, dreht und dreht, die perforierte Musikrollen durchbläst um sich in Musik zu verwandeln...